Journal 2026/2
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genussMOMENTE
Die
Brotkulturen unserer Welt
Wenn Baguette, Injera und Lavash Geschichten erzählen
K
aum ein Lebensmittel ist weltweit so verbreitet und dabei so vielfältig wie Brot. Der Duft, die Beschaffenheit und der unvergleichliche Geschmack von frisch gebackenem Brot wecken Erinnerungen und das Gefühl von zu Hause. Ob knusprig, weich, gefüllt, gefaltet oder flach: Fast jede Kultur hat ihre eigene Brotspezialität, oft über Generationen hinweg überliefert und eng mit dem jeweiligen Alltag und Lebensgefühl verbunden. Während in Europa Brote traditionell aus Sauerteig und Hefe entstehen, sind es in anderen Teilen der Welt oft einfache Mischungen aus Wasser und Mehl, die dennoch ganze Geschichten erzählen. Wer in ferne Länder reist, kann vieles entdecken – aber der Geschmack eines frischen, landestypischen Brots erzählt oft mehr über eine Kultur als jede Postkarte. Ein Klassiker mit Symbolkraft ist das französische Baguette: goldbraun gebacken, außen knusprig, innen luftig – und dabei so viel mehr als nur eine Beilage. In Frankreich gehört es zum Frühstück genauso wie zum Aperitif. Kein Picknick ohne Baguette, kein Marktbesuch ohne das knisternde Papier, in das es frisch vom Bäcker eingewickelt wird. Seit 2022 ist das Baguette sogar Teil des immateriellen Weltkulturerbes der UNESCO, als Ausdruck französischer Esskultur. Weit weniger bekannt ist Injera, das Nationalbrot Äthiopiens und Eritreas. Es sieht auf den ersten Blick aus wie
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LebensraumKÜCHE
ein riesiger Pfannkuchen, ist aber ein luftiges Sauerteigbrot mit schwammiger Struktur und leicht säuerlichem Geschmack. Hergestellt aus Teffmehl, einem der ältesten kultivierten Getreide der Welt, wird Injera traditionell in großen Pfannen gebacken und dient nicht nur als Beilage, sondern auch als Teller und Besteck zugleich. Gemüse, Linsen und Fleischgerichte werden direkt darauf angerichtet und das Ganze mit den Händen aufgenommen. So wird jede Mahlzeit zu einem geselligen Gemeinschaftserlebnis und das Brot zum Mittelpunkt des Essens. Ganz anders, aber ebenso bedeutsam: das Lavash. Das hauchdünne Fladenbrot stammt ursprünglich aus Armenien und wird heute in vielen Ländern des Nahen Ostens gebacken. Traditionell über offenem Feuer auf heißen Steinplatten zubereitet, lässt es sich zusammenrollen, füllen oder in mundgerechte Stücke zupfen. Lavash wird in Familien oft gemeinsam zubereitet, ein soziales Ritual mit tiefer Bedeutung, das von der UNESCO ebenfalls als Kulturerbe anerkannt wurde. In Deutschland wiederum steht das Brot für Vielfalt: Von Roggen- über Dinkel- bis hin zu Mehrkornvarianten reicht das Angebot. Kein Wunder, dass die deutsche Brotkultur mit über 3.000 Sorten als eine der vielfältigsten weltweit gilt. Regional unterschiedlich geprägt, verbindet sie Handwerk, Qualität und Tradition, von Brezen über Pumpernickel bis hin zu knusprigem Bauernbrot. ■