Journal 2026/2
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FRANKREICH – ELEGANZ IN KLEINEN SCHLUCKEN In Frankreich ist der Aperitif ein fester Bestandteil des geselligen Lebens. Ob bei Freunden zu Hause oder auf der Terrasse eines Straßencafés: ein Glas Pastis in Marseille, ein kühler Lillet Blanc in Bordeaux oder ein Crémant in Paris. Hier hat der Apéro Stil. Gereicht werden dazu einfache, aber hochwertige Kleinigkeiten: marinierte Oliven, hauchdünn geschnittener Schinken, Mini-Quiches oder feine Käsestücke mit frischem Baguette. Was zählt, ist die Atmosphäre: entspannt, geschmackvoll, zwanglos. Der französische Apéro ist oft ein Übergang vom Tag zum Abend und beginnt nicht selten schon am späten Nachmittag. Besonders im Süden gilt: Ein Apéro ohne Sonnenuntergang ist möglich, aber sinnlos. ITALIEN – APERITIVO MIT LA DOLCE VITA In Italien ist der Aperitivo nicht nur eine Mahlzeit vor der Mahlzeit. Er ist auch eine Lebenseinstellung. Vor allem in Städten wie Mailand, Turin oder Bologna trifft man sich ab 18 Uhr in Bars und Cafés. Gern bestellt werden Aperol Spritz, Negroni, Americano oder einfach ein Glas Prosecco. Was ihn besonders macht, ist das kulinarische Drumherum: Antipasti, kleine Tramezzini, Pizzette, Oliven, Bruschetta, gefüllte Zucchiniblüten oder frittiertes Gemüse. Je nach Lokal und Region fallen die Häppchen üppiger oder puristischer aus. Viele Bars bieten sogar ein kleines Büffet, das im Preis des Getränks enthalten ist; Aperitivo all’italiana eben. Dabei geht es nicht nur ums Essen, sondern auch um den Austausch: Freunde treffen, Menschen beobachten, das Leben zelebrieren. Kurz gesagt: il piacere della convivialità.
SPANIEN – TAPAS, TINTO UND TRADITION Die spanische Variante des Apéros verschwimmt oft mit dem Abendessen, was an der Esskultur des Landes liegt. Abends zieht man von Bar zu Bar, bestellt una caña (ein kleines Bier) oder ein Glas Tinto de Verano, dazu eine Auswahl an Tapas. Diese kleinen Häppchen sind fester Bestandteil der spanischen Esskultur und reichen von marinierten Oliven über frittierte Tintenfischringe bis zu würziger Chorizo oder feinem Manchego-Käse. In vielen Regionen
gehört es zur Gastfreundschaft, dass zu jedem Getränk automatisch eine Kleinigkeit gereicht wird, besonders in Andalusien oder Madrid. Der Apéro ist hier nicht der Auftakt, sondern Teil eines langen, genussvollen Abends. Und auch wenn er informell wirkt, ist er tief in der Kultur verwurzelt: ein Ausdruck von Gemeinschaft, Lebensfreude und regionaler Vielfalt.
Kleine Häppchen. Große Momente. Echter Genuss. SCHWEIZ – L’APÉRO MIT SUBSTANZ In der Schweiz ist der Apéro ein soziales Ritual. Er kann vor dem Abendessen stattfinden, aber auch als eigenständiger Anlass zelebriert werden, vor allem in Form des Apéro riche. Dabei werden nicht nur kleine Snacks, sondern auch warme Häppchen, Canapés, Käseplatten oder MiniDesserts serviert. Besonders beliebt: Trockenfleisch, feine Brotsorten, Raclette-Häppchen oder würzige Käsewürfel. Ob privat, geschäftlich oder festlich: Der Apéro gehört zum Schweizer Alltag wie das Fondue zum Winter. Er steht für gepflegte Gastfreundschaft, für Gemeinsamkeit ohne Eile und für den liebevollen Umgang mit regionalen Produkten. Wer eingeladen wird, bekommt nicht einfach ein Glas gereicht, sondern das Gefühl, willkommen zu sein. PORTUGAL, GRIECHENLAND, SKANDINAVIEN – VIELFALT AUF DEM VORMARSCH Auch außerhalb der bekannten Apéro-Hochburgen wird der Brauch gepflegt, wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung. In Portugal genießt man gern ein Glas Portwein oder Ginjinha (Sauerkirschlikör) mit etwas Hartkäse und Oliven. In Griechenland geht nichts über einen kühlen Ouzo oder Tsipouro, begleitet von Meze, kleinen Gerichten mit frischem Brot, Feta, gegrilltem Gemüse oder Tintenfisch. Und sogar im hohen Norden erfreut sich das Ritual zunehmender Beliebtheit: In Schweden beispielsweise trifft man sich zum fördrink – einem Drink vor dem Abendessen, meist mit Chips, Dips oder geräuchertem Fisch. Auch hier geht es um mehr als nur Essen oder Trinken. Hier wird ein Moment der Verbindung geschaffen und gelebt. ■ LebensraumKÜCHE
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